Die Schweiz präsentierte ihren SDG-Umsetzungsbericht vor der UNO
Der Rückblick auf das HLPF 2026 zeigt: Der Zivilgesellschaft kommt eine zentrale Rolle zu.
In einem Webinar der Plattform Agenda 2030 ziehen drei Mitglieder der Schweizer Delegation Bilanz zum High-Level Political Forum (HLPF), das im Juli 2026 in New York stattfand. Im Mittelpunkt des Webinars standen der aktuelle Stand der Agenda 2030 im multilateralen Prozess sowie die unverzichtbare Rolle der Zivilgesellschaft. Unser herzlicher Dank gilt den Referierenden: Markus Reubi (EDA, bis September 2026 Delegierter des Bundesrates für die Agenda 2030), Andreas Lustenberger (Caritas, Vertreter der Zivilgesellschaft) und Aneschka Berchtold (Swiss Youth for Climate, Jugendvertreterin).
Der Schweizer Ansatz
Nach der Veröffentlichung des vierten Länderberichts (VNR) am 13. Mai 2026 präsentierte die Schweiz ihre Ergebnisse am 13. Juli im Rahmen des HLPF vor den Vereinten Nationen. Markus Reubi betonte, wie wichtig es war, die Vielfalt der engagierten Akteure in der Delegation abzubilden: Neben Vertretern aus Städten, Kantonen und der Aussenpolitischen Kommission des Parlaments waren auch Zivilgesellschaft, Jugend, Wissenschaft und Wirtschaft dabei. Gemeinsam mit rund 30 anderen Staaten stellte sich die Schweiz dem Review-Prozess. Dass bisher lediglich drei Länder keinen VNR eingereicht haben, wertet Reubi als Erfolgszeichen für den UNO-Mechanismus der freiwilligen Berichterstattung. Die Schweiz setzt dabei auf Transparenz: Eine ehrliche Analyse «gemischter» Resultate wurde durch den gezielten Hinweis auf jene Erfolge ergänzt, die für den weiteren politischen Rückhalt entscheidend sind.
Aus der Bubble heraus
Einigkeit herrschte unter den drei Referierenden darin, dass das HLPF vorwiegend ein Treffen der «Überzeugten» ist, was mitunter zu einem Gefühl des «Unter-sich-Seins» führt. Während die offizielle Schweizer Linie die positiven Aspekte betont, ordnet Lustenberger dies als notwendige Selbstbestärkung ein. Angesichts der Tatsache, dass nur noch vier Jahre bis 2030 verbleiben und weltweit erst 30% der Ziele auf Kurs liegen, brauche es diesen Mut zum Weitermachen. Berchtold ergänzt eine jugendliche Perspektive: Vier Jahre sind eine relevante Zeitspanne, die volle Mobilisierung rechtfertigt. Diese kämpferische Energie war im Forum jedoch fast ausschliesslich unter den jungen Delegierten spürbar.
Die Rolle der Zivilgesellschaft
Daraus ergibt sich eine zentrale Frage: Wie gelingt es, Menschen ausserhalb dieser «Bubble» zu erreichen? Hier sieht Lustenberger eine Kernaufgabe der Zivilgesellschaft. Statt sich in der Fülle administrativer Prozesse zu verlieren und in «technokratischen» Diskussionen zu versanden, sollte sie ihre Rolle als kritisches Sprachrohr stärken. Es braucht eine deutliche Stimme, die politische und wirtschaftliche Akteure daran erinnert, dass wir gemeinsame Ziele benötigen, die international, national und lokal eine kohärente Vision bieten und letztlich auch tatsächlich umgesetzt werden können.
Ausblick: 2026 bis 2030 und beyond
Die verbleibenden Jahre bis 2030 sind entscheidend und erfordern den Mut zur echten Nachhaltigkeit. Für die Schweiz stehen nun zwei grosse Schritte an: Erstens die Erarbeitung des Aktionsplans 2028–2031 mit konkreten, ambitionierten, wirkungsvollen und rasch umsetzbaren Massnahmen. Zweitens eine umfassende Wirkungsanalyse, die nach 15 Jahren Agenda 2030 Bilanz zieht: Was hat dieser Referenzrahmen konkret bewirkt? Für beide Übungen ist die Zivilgesellschaft zur aktiven Mitwirkung eingeladen – eine Aufgabe, die die Plattform in den kommenden Monaten engagiert mitgestalten wird.
Offiziell starten 2027 die Diskussionen für die Zeit nach 2030 («Beyond 2030»). Das Ergebnis wird massgeblich von mehreren Faktoren abhängen: von der Wahl der neuen UNO-Generalsekretärin bzw. des neuen Generalsekretärs, von der Frage, wie das «Beyond GDP»-Projekt die SDGs ergänzen kann, ohne sie zu überkomplizieren, sowie von der Debatte um eine Reform des internationalen Steuersystems in Richtung vermehrter Steuergerechtigkeit (Tax Justice) – trotz Widerstands aus der Schweiz, den USA und weiteren Ländern.
Rianne Roshier
Plattform Agenda 2030
