Zivilgesellschaft lanciert Appell an den Bundesrat – «Mut zu echter Nachhaltigkeit»
Wenige Wochen vor der Präsentation des Berichts der Schweiz an die UNO im Juli 2026 zieht die Plattform Agenda 2030, ein Netzwerk von 50 zivilgesellschaftlichen Organisationen, eine ernüchternde Bilanz. Angesichts fehlender konkreter Lösungen und mangelnder politischer Weitsicht fordert das Bündnis vom Bundesrat einen sofortigen Strategiewechsel, um die 2015 eingegangenen internationalen Verpflichtungen doch noch zu erfüllen.
Das Fazit ist eindeutig: Vier Jahre vor der Frist sind die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) bei Weitem nicht erreicht. Während in Teilbereichen wie den erneuerbaren Energien leichte Fortschritte erkennbar sind, verschärfen sich soziale Ungleichheiten und die Umweltkrise weiter. Der Bundesrat erweckt den Eindruck, sich hinter Ausreden zu verschanzen, anstatt die notwendigen Massnahmen zu ergreifen.
«Die Schweiz hat das Potenzial, durch Investitionen in Nachhaltigkeit eine internationale Vorreiterrolle einzunehmen – als Garant für Sicherheit und Wohlstand. Stattdessen verwaltet der Bundesrat den Status quo und kapituliert vor den Herausforderungen», kritisiert Rianne Roshier, Direktorin der Plattform Agenda 2030. «Der Begriff Nachhaltigkeit wird zunehmend entwertet, instrumentalisiert oder als Alibi missbraucht. Es braucht jetzt Taten statt Worte.»
Impulspapier «Mut zur Nachhaltigkeit»: ein konkreter Fahrplan
Als Antwort auf diesen mangelnden politischen Willen veröffentlicht die Plattform das Impulspapier «Mut zur Nachhaltigkeit». Der darin enthaltene Fahrplan skizziert vier prioritäre Handlungsfelder:
- Soziale Gerechtigkeit: Bekämpfung von Armut und Diskriminierung in der Schweiz.
- Klima- und Artenschutz: Konsequenter Abbau umweltschädlicher Subventionen.
- Zukunftsfähige Wirtschaft: Stärkung der Kreislaufwirtschaft und der Gemeinwohlökonomie.
- Globale Verantwortung: Erreichung des UNO-Ziels von 0,7% des Bruttonationaleinkommens für die internationale Zusammenarbeit.
«Der Erfolg der Schweiz darf nicht nur am BIP gemessen werden, sondern am Wohlergehen der Schwächsten. Das Prinzip ‹niemanden zurücklassen› muss zum Kompass sämtlichen politischen Handelns werden», sagt Patrik Berlinger, Co-Präsident der Plattform, und fügt hinzu: «Nachhaltigkeit ist keine Option unter vielen: Angesichts der zunehmenden Ungleichheit, der geopolitischen Herausforderungen und der klimabedingten Schäden ist sie der einzige tragfähige Weg. »
Mobilisierung und Dialog
Begleitet wird die Forderung nach einem Kurswechsel von einem nationalen Appell. Dieser soll den Druck auf den Bundesrat erhöhen, seine Umwelt- und Sozialverantwortung vollumfänglich wahrzunehmen.
Foto: © Plattform Agenda 2030, Raffael Thielmann
Rianne Roshier
Plattform Agenda 2030
